Der Berliner Senat will in Tiergarten-Süd eine gut funktionierende Grundschule räumen, um das sanierte Gebäude einer französischen Privatschule zu überlassen. Das bringt die gesamte Bildungslandschaft in dem Quartier in eine Schieflage.
Eltern beider Grundschulen, der Quatiersrat und viele Bürger in Tiergarten-Süd sehen den sozialen Frieden im Kiez und bewährte pädagogische Konzepte in Gefahr.
Heute Abend entscheidet die BVV-Mitte über das Fortbestehen der Grips-Grundschule und damit über das Wohl aller Schüler in Tiergarten-Süd. Betroffene Eltern werden mit ihren Kindern an dieser Sitzung teilnehemen.
Die französische Privatschule Collège Voltaire, möchte von Reinickendorf nach Tiergarten Süd umziehen. Sie könnte damit das Französisch-Angebot von Kitas, Grundschulen und dem Französischem Gymnasium im Bezirk Tiergarten ergänzen und die Bildungslandschaft bereichern.
Für dieses Vorhaben wurde dem Collège Voltaire von dem Berliner Senat das Gebäude der Grips-Grundschule versprochen, was aber mit der Auslagerung der dort ansässigen Grips-Grundschule an den Standort der Fritzlar-Homberg-Grundschule (FHG) verbunden ist.
Dies bedeutet für die GRIPS die Zerstörung einer gut funktionieren Schule mit Kindern, die zu 80% einen Migrationshintergrund haben, für die Installierung einer Privatschule, die kaum von Kindern aus dem Bezirk Tiergarten besucht werden wird.
Das deutschlandweit einmalige und preisgewürdigte Musikkonzept der FHG wäre ebenfalls in Gefahr, denn die FHG müssten alle, per Definition „überschüssigen“, Räumlichkeiten an die Grips-Grundschule abtreten. Dabei geht es nicht um die Verwendung von tatsächlichem Leerstand, sondern um statistisch errechnete „freie“ Quadratmeterzahlen.
Das hat zur Folge das die Räumlichkeiten für die Musikbetonung wegfallen und die Räumlichkeiten für Nachmittagsbetreuung der gebundenen Ganztagsgrundschule doppelt genutzt werden. Eine Doppelnutzung im Grundschul- und Freizeitbereich ist wiedersinnig und läuft dem, auch vom Berliner Senat gewünschten, Rhythmisierungs-Konzept entgegen.
Da eine komplette Trennung der Räumlichkeiten auf dem Standort der FHG nicht möglich ist, wird eine neue Konkurrenzkampf-Situation für die Kinder beider Schulen geschaffen, die alle Schüler benachteiligt.
Darüber hinaus müssten zwei völlig unterschiedliche, bewährte Schulkonzepte unter einem Standort vereint werden: Musikbetonung contra Lesende Schule und kostenfreie Ganztagsbetreuung contra gebundene Halbtagsgrundschule.
Die Grundschulen in Tiergarten-Süd sind ein wichtiger Baustein der Integrationsarbeit in einem Qualitätsmanagement-Gebiet. Durch die Zusammenführung beider Schulen wird der soziale Frieden in dem Kiez erneut auf die Probe gestellt. Und das nicht nur durch rivalisierende Clans an den Schulen, die auch dem Schulsenat bekannt sind. Unterstützung für ihre Forderung der Erhaltung beider Grundschulen erhalten die betroffenen Eltern und Kinder von Anwohnern, dem Quatiersrat und Lokalpolitikern.
Der Senat hatte die Entscheidungskompetenz über ein Fortbestehen der GRIPS ausdrücklich dem Bezirk zugewiesen. Nach einer Anfrage an alle Fraktionen der BVV-Mitte, hatte sich am 19.02.09 auch die SPD-Fraktion noch dafür ausgesprochen, dass das Konzept der GRIPS aufrechterhalten wird und wollte eine Abtretung des Schulgebäudes an eine Privatschule nicht unterstützen.
Die lange uneindeutige und beschwichtigende Haltung des Senats zur Zukunft der GRIPS und die plötzliche Ankündigung, radikal ein vorgeblich gesamtstädtisches Interesse, auch über die BVV hinweg, durchzusetzen, bestürzen die Eltern und Bewohner im Quartier.
Vor diesem Hintergrund ist es umso unverständlicher, dass ausgerechnet die SPD-Fraktion in die BVV-Sitzung vom 28.05.2009 einen Antrag zur Fusionierung von GRIPS und FHG einbringen wird.
LehrerInnen und ErzieherInnen haben jetzt schon mit massiven Unterschieden in den Lernvoraussetzungen der SchülerInnen zu kämpfen und müssen soziale Missstände auffangen. Pläne des Senates niedrigere Klassenfrequenzen in Klassen mit einem Migrantenanteil von über 40% nicht mehr zu genehmigen verschärfen die Problematik, denn auch die FHG hat einen sehr hohen Migrantenanteil von über 80%.
Es ist nicht einzusehen, das Gelder für fragwürdige Vorhaben wie z.B. die Schülerdatei vorhanden sind, aber eine sich selbsttragende Grundschule aus finanziellen Gründen geschlossen werden soll.
Es kann und darf den SchülerInnen und ihren Familien, den LehrerInnen, ErzieherInnen und auch den SozialarbeiterInnen in diesem Bezirk nicht noch mehr zugemutet werden! Eltern und Kinder beider Schulen werden an der BVV teilnehmen und den BV ihren Unmut äußern.
Die Gesamtelternvertretung der Fritzlar-Homberg-Grundschule
GEV der Fritzlar-Homberg-Grundschule
Lützowstraße 83 - 85
10785 Berlin
gev-vorsitz@fhg-netz.de
Aktuelle Informationen erhalten Sie unter
http://www.fhg-netz.de/
http://www.gripsgrundschule-bleibt.de/
http://www.tiergarten-sued.de/QR-Grips-Grundschule-und-Bildungslandschaft.4668.0.html
http://www.berlin.de/ba-mitte/bvv-online/allris.net.asp